„Kein Aids für alle bis 2020“

0/90/90/90  …
Am 9.11.2017 wurde vom Landesverband der Aidshilfen „Kompetenznetz AIDS in Schleswig-Holstein“ auf einer Pressekonferenz die Kampagne „Kein Aids für alle bis 2020“ in Schleswig-Holstein gestartet.

Der Laie mag sich nun fragen, was das bedeutet:

In Deutschland und somit auch in Schleswig-Holstein gibt es die strukturellen Möglichkeiten frühzeitig eine eigene HIV-Infektion zu entdecken und sich auch behandeln zu lassen. Durch die hochwirksamen HIV-Medikamente ist es möglich das HI-Virus an der Vermehrung und somit an der Schädigung der Organe zu hindern. Die Unterdrückung des Virus ist so erfolgreich, dass es mit den derzeitigen Messmethoden im Blut nicht mehr nachgewiesen werden kann („Viruslast unter der Nachweisgrenze“).

Jetzt wird es einfach:
Was nicht da ist, kann auch nichts tun! Ist die Viruslast länger als ein halbes Jahr unter der Nachweisgrenze, ist der betroffene Mensch nicht mehr infektiös, d.h. er kann andere nicht mehr anstecken.  Durch die Behandlung kann das Virus im Organismus auch keinen Schaden anrichten, die HIV-Infektion kann sich somit nicht zu einer Aids-Erkrankung weiterentwickeln.

Allerdings leben in Deutschland derzeit noch ca. 13- 14.000 Menschen, die von ihrer Infektion nichts wissen und somit nicht behandelt werden. Diese Personen können damit potentiell  ihre Infektion weiter geben. Die Kampagne möchte deshalb in der Öffentlichkeit Aufmerksamkeit schaffen:
Die Menschen, die in der Vergangenheit Risiken eingegangen sind (ungeschützter Sex mit ungetesteten Personen) hatten, sollten sich für einen HIV-Test entscheiden und dafür können anonyme Testangebote von Gesundheitsämtern und Aidshilfen niedrigschwellig genutz werden.

Die Formel lautet 0/90/90/90 – bis zum Jahr 2020

0 = keine Diskriminierung
Um die Testbereitschaft und die Selbstverständlichkeit der eigenen Gesundheitserhaltung zu fördern, ist es wichtig, dass Menschen mit HIV nicht mehr  diskriminiert werden. Nur wenn eine HIV-Infektion kein Stigma mehr bedeutet und HIV-Tests selbstverständlich zur Gesundheitsvorsorge gehören, wird man sich diesem Ziel nähern können.

90 = 90% aller Menschen, die mit HIV leben, sind diagnostiziert
Um die Zahl derer zu mindern, die unwissend mit HIV leben, ist es zwingend notwendig, dass behandelnde Ärzte ihre Patient*innen auf eingegangene sexuelle Risiken ansprechen und ihnen zu einem HIV-Test raten. Dies geschieht jedoch viel zu selten. Insbesondere wenn es sich um Menschen jenseits der 45 Jahre oder um heterosexuell lebende Männer handelt. So wird oft erst im Aids-Stadium mit schweren Krankheitsbildern HIV diagnostiziert. (sogenannte „Late-Presenter“).

Schwule Männer  wissen oft mehr über HIV-Übertragungs-Rrisiken und Schutzmöglichkeiten, viele lassen sich auch regelmäßig testen. Dennoch gibt es auch hier etliche, die das Thema für sich verdrängen und keinen Test machen.

90 = 90% der Menschen, die mit HIV leben, sollten in antiviraler Behandlung sein
Heute ist es Standard, eine HIV-Infektion möglichst früh zu behandeln, so dass das HI-Virus möglichst wenig Schaden anrichten kann. Für Menschen, die krankenversichert sind, ist die Aufnahme einer Therapie kein Problem. Nahezu unmöglich wird eine Therapie aber für Betroffene, wenn sie, aus welchen Gründen auch immer, nicht krankenversichert sind. Die Therapie-Kosten sind, um sie aus privater Tasche zu zahlen, zu hoch. Um allen Betroffenen eine Therapie zu ermöglichen, sollte aus humanitären und epidemiologischen Gründen hier auf Bundesebene eine Lösung bereitgestellt werden.

90 = 90% der Menschen mit HIV, die eine antiretrovirale Therapie einnehmen, sollen unter der Nachweisgrenze sein und dauerhaft bleiben
Ist die Viruslast bei Menschen mit HIV unter der Nachweisgrenze, so kann die Infektion nicht an andere weitergegeben werden („Schutz durch Therapie“).

Sieben Länder haben die „0-90-90-90“ -Ziele bereits erreicht:
Großbritannien, Schweden, Dänemark, Island, Botswana, Kambodscha und Singapur.

Das östliche und südliche Afrika, West- und Zentraleuropa sowie Nord- und Südamerika sind laut UNAIDS auf einem guten Weg dahin.

Eindrucksvolle Biographien und Berichte von Betroffenen aus ganz Deutschland finden Sie auf der Kampagnen-Seite
https://kein-aids-fuer-alle.de/

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